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Deutschland 2002: "Ich kriege Mails, also bin ich." Je mehr, um so wichtiger. Der moderne Büromensch beklagt sich folgerichtig nicht mehr über Stress oder zuviel Arbeit, sondern über zu viele E-Mails -- 50 am Tag fördert schon reichlich kollegiales Mitleid zutage, die Oberliga beginnt aber erst bei dreistelligen Tagesrationen.
Die Eingänge betrachtend scheint es, dass der E-Mail-Schreiber zum Verfassen nicht denken oder lesen können muss; tippen reicht. Sonst lässt sich nicht erklären, warum Belangloses mit Priorität "wichtig" eintrifft, warum sich Kunden hasserfüllt, aber grundlos beschweren und Orthografie vermutlich eine aussterbende Zeichenkunst des Mittelalters ist.
"Kost' ja auch nix." Das hat nicht nur der Privatmann entdeckt, sondern leider auch jede Presseabteilung. Wozu dann noch große Mühe geben. Einfach tippen, bloß nicht drüberlesen, raus damit und zum Nächsten. Im Ton vergriffen? "Sorry, so war es nicht gemeint". Früher hieß es: "Vor Gebrauch des Mundwerks Hirn einschalten". Das scheint trotz Technikrevolution heute mehr denn je zu gelten.
So landet Nachricht nach Nachricht, nützlich oder nutzlos im Posteingang, auf dass sie entsorgt oder (wieder)aufbereitet werde. E-Mail -- der gedankenlose Informationsaustausch. Doch wen soll das noch bedrücken, man kann schon froh sein, dass beim Recyclen von E-Mails kein Altpapier entsteht.
Und wie wichtig fühlen Sie sich jetzt, so rein "emailmäßig"?
Immerhin haben Sie jetzt einen verlässlichen Gradmesser bezüglich Ihrer Wichtigkeit. Wenn Sie nach zwei Wochen Urlaub 1000 neue E-Mails haben, gehören Sie zweifelsfrei zu den leidenden Angestellten.
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